Jürgen T. Knauf im Interview bei der Fundgrube Kitzingen
Jürgen T. Knauf im Interview bei der Fundgrube Kitzingen
Jürgen T. Knauf im Interview bei der Fundgrube Kitzingen

Jürgen T. Knauf im Interview mit Hartmut Heß (freier Redakteur der Fundgrube Kitzingen)

Unternehmerischer Erfolg beginnt beim Menschen

Kitzingen, Juli 2026.   Jürgen T. Knauf ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung SCOPAR und hat auch einen Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Würzburg/Schweinfurt (THWS). Bei seiner Tätigkeit setzt er auf Erfahrung, die Menschen in den Unternehmen und eine ganzheitliche Sichtweise. „Ganzheitliche Beratung die Veränderung wirksam macht – für Strategie, Organisation, IT und Personal“, überschreibt der 61-Jährige, seinen Ansatz. Für Jürgen Knauf gilt es in Firmen Strukturen, Prozesse, Menschen sowie die Maschinen und IT vernetzt zu denken – so entstehen umsetzbare Lösungen mit nachhaltiger Wirkung, die in der Praxis auch wirklich gelebt werden. Ganzheitlich geht er auch Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) an. Dazu moderierte er kürzlich bei Leoni in Kitzingen den BGM-Kongress Mainfranken mit Personalern und BGM-Verantwortlichen aus der Region. Der Kongress fand zum dritten Mal statt und ist eine Plattform für den kollegialen Austausch – von der Praxis für die Praxis. Die Redaktion sprach mit Jürgen Knauf darüber, wie BGM und Mitarbeiterführung funktionieren kann und vor allem auch in der Praxis umsetzbar sind.

Redaktion: Was könnten Firmen, Vorgesetzte und Personaler besser machen?

Jürgen Knauf: In manchen Betrieben wird viel getan und Geld für BGM ausgegeben, aber nicht selten bleibt die Wirkung aus. Daraus folgt oftmals ein Rechtfertigungsdruck und es entsteht das Gefühl, dass BGM nichts bringt. Deswegen vermittle ich mit Personalern und Multiplikatoren nicht theoretische Maßnahmen, sondern solche, die tatsächlich in der Praxis funktionieren. Die Menschen müssen physisch, psychisch und geistig gesund sein und das Unternehmen muss entsprechend für gesunde Verhältnisse sorgen. Es gilt also den Dreiklang aus Körper, Geist und Seele der beiden Seiten, Firma und Beschäftigte miteinander in Einklang zu bringen. Für mich gilt die Prämisse: der Erfolg beginnt beim Menschen. Die modernste Maschine liefert keine optimalen Ergebnisse, wenn sie nicht von einem gesunden, kompetenten und vor allem motivierten Mitarbeitenden bedient wird.

Redaktion: Wo setzen sie den Hebel für BGM und Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) an und wie gehen sie vor?

Jürgen Knauf: Es gilt zuerst den Ist-Zustand zu analysieren, dann Maßnahmen zu definieren, diese umzusetzen, später zu evaluieren und bei Bedarf nachzujustieren. Den Ist-Zustand ausschließlich mittels einer Mitarbeiterbefragung erkunden zu wollen wird leider oft gemacht, ist aber für die Katz. Eine Mitarbeiterumfrage liefert lediglich die Basis und hilft zu erkennen, wo man genauer hinschauen muss. Die Musik spielt in offenen Gesprächen und vertrauensvollen und gut strukturierten Workshops mit Mitarbeitenden – ohne Vorgesetzte. Grundlage für den Erfolg ist eine gezielte Ursachenforschung – differenziert nach Firmenstandort und Abteilungen. Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip kosten unnötig Geld und sind oft auch kontraproduktiv. Das wäre ungefähr so, als würde eine Autowerkstatt bei allen Autos immer die gleiche Reparatur durchführen, ohne vorher zu schauen, wo es wirklich klemmt. Damit die Mitarbeitenden ihre Aufgaben gut ausführen, müssen diese „können“, „wollen“ und „dürfen“ – und da gibt es jeweils sehr viele Einflussfaktoren.

Redaktion: Welche Problemstellungen herrschen vor und wie muss umgedacht werden?

Jürgen Knauf: In der Arbeitswelt sind steigende psychische Belastungen für die Mitarbeitenden, der zunehmende Fachkräftemangel, überforderte Führungskräfte, hohe Krankenstände und in Folge aus allem eine immer höhere Fluktuation nicht zu übersehen. Viele Arbeitgeber beklagen den Absentismus, den man über die Krankheitskosten ermittelt. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Der Präsentismus, wenn Mitarbeitende krank oder unmotiviert zur Arbeit gehen, verursacht drei Mal so hohe Kosten wie der Absentismus. Daher sollte bei Entscheidern ein Umdenken einsetzen, sie sollten die Beschäftigten wieder wirklich in den Fokus rücken und Zusammenhänge sowie Wechselwirkungen stärker berücksichtigen. Das ist zwar der unbequemere Weg, aber einer der wirkt.

Redaktion: Nach welchem Schema sollte vorgegangen werden?

Jürgen Knauf: Seit dem Jahr 2013 sind alle Firmen gesetzlich verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz durchzuführen. Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie gibt (GDA) ist ein Bündnis, das das Ziel verfolgt, das Arbeitsschutzsystem in Deutschland entlang des Wandels der Arbeitswelt kontinuierlich zu modernisieren und Anreize für Betriebe zu schaffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten weiter zu stärken. Die GDA gibt mit einem Sieben-Punkte-Plan ein Fachkonzept an die Hand um – abgestimmt mit den Sozialpartnern – praktische Verbesserungen für die Beschäftigten im Arbeitsschutz zu erreichen.

Redaktion: Was sind für sie kardinale Faktoren zu fruchtbaren BGM und BGF?

Jürgen Knauf: Sehr wichtig sind eine gute Führung, ein guter Informationsfluss und ein gutes Miteinander auf allen Ebenen – vom „einfachen“ Mitarbeitenden bis hoch zur Chefetage. Es muss als Team gedacht, gezielt gehandelt und offen kommuniziert werden, und man muss die Zusammenhänge von Personal, Organisation und Technik berücksichtigen. Das ist die Grundlage dafür, unter Einbindung aller Betroffenen gemeinsam Synergien freizusetzen und erfolgreich zu sein. Und dann wirken auch gesundheitserhaltende und -fördernde Maßnahmen.

Das Gespräch führte der Mitarbeiter der Fundgrube Hartmut Heß.

Hinweis: Interessierte Personaler, BGM-Verantwortliche und Geschäftsführer können hier Mitglied im BGM-Netzwerk Mainfranken werden: https://www.scopar.de/bgm-netzwerk

#ganzheitliches #BGM #BGM-Netzwerk #Mainfranken #Berater #JürgenTKnauf #Interview #Fundgrube #HartmutHeß #Kitztingen

Comments are disabled